Gründungs- beziehungsweise Businessplanwettbewerbe sind eine tolle Sache. Sie bieten ernsthaften Startups (Existenzgründern) die kostenlose Möglichkeit, sich ausführlich auf die Gründung vorzubereiten, erforderliches unternehmerisches Wissen anzueignen und einen perfekten Businessplan zu erstellen. Über einen Zeitraum von sechs Monaten werden sie hierzu von Fachleuten aus den verschiedensten Bereichen ertüchtigt und gecoacht. Dies geschieht zum einen anhand von Fachvorträgen über Recht, Patente, Finanzierung, Marketing, Vertrieb und andere für Neugründer wichtige Themen. Und zum anderen in persönlichen Gesprächen an den Coachingabenden, die regelmäßig im Abstand von zwei Wochen stattfinden. Dort können sich die Existenzgründer in Vier-Augen-Gesprächen auf ihre persönliche Situation zugeschnittenen Rat von Experten einholen – unter anderem von mir.


Ich betätige mich seit etwa fünf Jahren in zwei großen Businessplanwettbewerben – NUK (Neues Unternehmertum e.V.) in Köln, Bonn und Düsseldorf und start2grow in Dortmund – als Coach, Gutachter und Mentor. Das mache ich ehrenamtlich.
Zum Beginn eines Zyklus melden sich typisch 150 Teams an. Unterwegs geben so manche auf und am Ende des Businessplanwettbewerbes hat immerhin etwa die Hälfte durchgehalten. Wie viele davon tatsächlich gründen, ich weiß das nicht genau.
Alle zwei Wochen findet ein Coachingabend statt. Der Coach steht als Berater den Existenzgründern zur Verfügung. An einem Abend kommt es zu ein bis drei Coaching-Gesprächen oder auch manchmal zu keinem. Dann war mein Erscheinen vergebens.
Ich bin bemüht in den Coachinggesprächen den Gründern viel auf den Weg zugeben. Der Coach muss sich schnell ein Bild machen von der Gründungsidee des Startup, der Gründerperson und auch von dem späteren Unternehmer und ich muss erkennen, wo der Gründer gerade steht und welches seine aktuellen Knackpunkte sind. Dann kann ich entscheiden, was ich und wie ich das dem Gründer rate, eben auf den Weg gebe. Manche Gründer kommen vorbereitet und mit klaren Fragen zum zu gründenden Unternehmen oder mit schwierigen Sachfragen, zum Beispiel zu Ihrem Markt oder Ihrer Konkurrenz. Andere tragen noch nicht sortierte Gedanken oder Ideen vor. Manche sind ganz verliebt in ihre Idee und suchen in erster Linie Bestätigung. Für mich als Coach gilt es, den richtigen Weg zu finden, wie ich berate, wo ich ansetze, wo ich den Gründer abholen kann. Benötigt der Gründer Zuspruch und Mut oder könnte der Gründer mit seinem Gründungsvorhaben scheitern? Wie verhalte ich mich dann? Die Frage lautet am Ende: Konnte ich dem Gründer helfen und war es mir gelungen, ihn auf die richtige Fährte zu bringen?
Die andere Seite der Medaille ist, wie sich der Gründer im Coachgespräch verhält. Die meisten sind begierig, guten Rat zu erhalten und verhalten sich korrekt und interessiert. Leider gibt es auch Menschen mit einer Nimm-Haltung, fordernd und anspruchsvoll. Sie riskieren ja nichts …
Die gute Begutachtung eines Businessplanes kostet viel Zeit. Tatsächlich zieht sich meine Begutachtung über mehrere Tage hin. Dazu lese ich das Werk mehrmals. Zwischendurch durchdenke ich das Konzept. Dann erst geht es an die Verfassung der Begutachtung, kritisch, aber aufbauend und neutral. Der Gründer kennt meist den Gutachter nicht und umgekehrt dieser ihn nicht. Ob das, was ich da schreibe, ihm weiterhilft? Oft bleibt die Beantwortung dieser Frage offen – ohne Feedback.
Die Teilnahme an Businessplanwettbewerben – Coaching, Vorträge, Gutachten und weitere Leistungen – alles ist für den Gründer kostenlos. Die meisten Gründer wissen die enorme Leistung der Businessplanwettbewerbe zu schätzen. Aber leider führt gerade die kostenlose Teilnahme auch in dem einen oder anderen Fall zu einer Kinohaltung: „Ich guck mal, ob mich das interessiert. Wenn nicht, hau ich wieder ab.“
Da tut es gut, als mich kürzlich eine Gründerin aus Württemberg anrief und sich für das Gutachten bedankte, welches ihr sehr weiterhelfe. Kurz drauf lag eines ihrer Bücher in meinem Briefkasten. Danke!
Die besten Gründungsvorhaben werden prämiert. Ein Kreis von Sponsoren und/oder Interessensvertretern lobt die Preisträger aus. Die „Jury“ setzt sich aus „Renommierten“ und Sponsoren zusammen.
Die Gutachter, die die eigentliche Arbeit geleistet haben, gehören bedauerlicherweise nicht dazu. Etwa zehn Preise werden je Zyklus ausgelobt mit Preisgeldern bis zu 15.000 €.
Businessplanwettbewerbe sind eine Klasse Sache. Den Gründern wird viel geboten – ohne Geld. Am Ende steht ein perfekter Businessplan als solide Basis für eine Existenzgründung. Das größte „Risiko“ für den Startup ist: Sein Businessplan wird prämiert. Das kann eben bis zu 15.000 € bringen und eine Menge Public Relation.
Wie sich die Businessplanwettbewerbe finanzieren – das ist nicht transparent und ich weiß es nicht. Ich denke, da gibt es verschiedene Fördertöpfe (Steuergelder), Finanzierungen von Kommunen und von Sponsoren. Letztere sind lokale Banken und weitere Interessensvertreter, welche auf diesem Weg potentielle Kunden auf sich aufmerksam machen wollen.
Ich begrüße Businessplan-Wettbewerbe sehr. Ich kenne kein Konzept, welches Existenzgründer mit derartig hohem Niveau unterstützt. Aber ich plädiere, die Finanzierungskonzepte der Businessplan-Wettbewerbe zu ändern. Förderungen sollen und müssen unbedingt runtergefahren werden. Eine Selbstbeteiligung des Gründers würde die Eigenverantwortung steigern und damit die Eigenleistung und die Ergebnisse weiter verbessern.
Kommentare
2 Kommentare zum Artikel
13.08.2010 · 13:22
Tobias Zimpel
Hallo Herr Schuster,
toll, dass Sie sich so engagieren.
Ich fand diesen Artikel besonders spannend, weil ich selber noch ein Unternehmenskonzept im Kopf habe, welches ich gerne im Rahmen eines solchen Wettbewerbs zu Ende ausarbeiten würde. Ich überlege ernsthaft, damit im kommenden Jahr beim start2grow-Wettbewerb teilzunehmen.
Liebe Grüße
Tobias Zimpel
13.08.2010 · 22:45
Lambert Schuster
Danke, ohne Sie und Ihr tatkräftiges Mitwirken wäre das nicht si gut gelungen,
Liebe Grüße ls
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