Der Personalplan in der Finanzplanung für KMU

Veröffentlicht am: 25.06.2011 · von: Lambert Schuster · 2.305 views

Der Personalplan – Teil 2 zur Serie “In sechs Schritten zur Finanzplanung”

Alle Unternehmen, ob Existenzgründer, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und erst recht jedes große Unternehmen steht irgendwann vor der Frage: Soll ich (weitere) Mitarbeiter einstellen? Und wenn ja, wie viele sind nötig und was kostet mich das? Die Antworten stehen im Personalplan.

Aufmerksame Leser des Blogs von Lambert Schuster wissen längst: Als Entscheidungsgrundlage und  für die Planung von Strategien ist eine gute Systematik unabdingbar. Und fast immer ist eine Tabelle das sinnvollste Hilfsmittel. Das gilt auch für den Personalplan. Kennzahlen oder Benchmarks helfen zusätzlich bei der Festlegung der Anzahl von Mitarbeitern.

Personalplan

Kennzahlen und Benchmarks für den Personalplan

Kennzahlen für den VertriebPersonalplan

Beginnen Sie mit dem Vertrieb. Wie viele Mitarbeiter werden im Vertrieb benötigt? Auch wenn diese Frage zunächst schwer zu beantworten scheint – es gibt immer Möglichkeiten, an Zahlen und Informationen zu gelangen.

Wieder wissen die Leser des Blogs von Lambert Schuster: Antworten gibt es in der Branche allgemein und speziell bei unseren Wettbewerbern. Zum Beispiel:

  • Ein Autoverkäufer verkauft möglicherweise zehn Autos im Monat mit einem geschätzten Monatsumsatz von ca. 200.000 €.
  • Eine Softwarefirma macht 500.000 € Umsatz im Jahr und hat im Vertrieb neben dem Chef noch einen Verkäufer und zwei „Minijobber“ für die Telefonakquise angestellt.
  • Ein Großhändler mit 2.000.000 € Jahresumsatz beschäftigt im Vertrieb neben dem Chef einen Außendienstmitarbeiter, einen Angestellten im Innendienst und zwei Halbtagskräfte.
  • Ein Web-Shop, welcher handelsübliche Computersoftware über das Internet verkauft, funktioniert mit einem einzigen Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von 500.000 €.

Am besten bilden Sie sich auf den Umsatz bezogene Kennzahlen für den Personalplan, für die personelle Ausstattung des Vertriebes. Je nach Branche und Geschäftsart können Sie einen Umsatz zwischen 200.000 € und 2.000.000 € für einen Verkäufer ansetzen. Die große Spanne ergibt sich daraus, dass es einen Unterschied macht, ob Sie Massenware mit einer typischen Auftragsgröße von 250 € oder Großanlagen mit einem Auftragswert von vielleicht 500.000 € verkaufen.

Kennzahlen für die Hilfsabteilungen

Ähnlich verhält es sich mit Kennzahlen für den Personalplan in weiteren Bereichen, z.B. in den Hilfsabteilungen.

Kennzahlen

  • Bei einem Jahresumsatz von 2.000.000 € kann eine Buchhalterin im Großhandel vollkommen ausreichend sein, vorausgesetzt, sie wird durch gute DV-Tools unterstützt.
  • Sämtliche Büroassistenzen, Sekretariate etc. sind zu besetzen. Sie bringen ja Entlastungen für den Chef und die Kollegen.
  • Wenn das Unternehmen größer wird, dann werden auch Stabsabteilungen benötigt.

Produktive Leistungen

All jene Leistungen, die an den Kunden weiterberechnet werden können, sind produktive Leistungen. Für den Personalplan  verläuft daher die Ermittlung des Personalbedarfs in produktiven Bereichen etwas anders als in den übrigen Abteilungen. Eine gute betriebswirtschaftliche Kalkulationssystematik ist dafür unabdingbar.

Eine einfache, beispielhafte Rechnung verdeutlicht die Vorgehensweise: Eine Werbeagentur hat für sein kreatives Personal einen Durchschnittskostensatz von 72,00 € pro Stunde ermittelt. Die kalkulierten Kosten zu den monatlichen Aufträgen liegen bei 12.000 €. Damit wäre ein produktiver Mitarbeiter ausgelastet, denn der Monat hat durchschnittlich 169 Arbeitsstunden, das ergibt bei 72,00 € genau 12.168 €, abgerundet 12.000 €. Urlaub, Krankheit sowie Aus- und Weiterbildung sind nicht berücksichtigt. Dafür sollten weitere 20 % angesetzt werden.

Erstellen Sie Ihren Personalplan

Nach diesen Vorüberlegungen kann der Personalplan erstellt werden. Als Beispiel dient uns eine Firma, die Software entwickelt und vermarktet.

Anzahl der Köpfe und deren Qualifikationen

Die Ermittlung der Kopfanteile ist der schwierigste Part. Dazu habe ich oben Denkanstöße gegeben. Dies sei das Ergebnis dieser Überlegungen für den Personalplan der Beispiel-Softwarefirma:

Qualifikation Kopfanteile
Chef 1,0
Assistenzen 0,5
Vertrieb 1,0
Marketing 0,5
Innendienst 1,0
Buchhaltung 0,5
Telefonakquise (Minijob) 3,0
SW-Entwickler 3,0
Service 1,0

Löhne und Gehälter zum Personalplan

Nun gilt es marktübliche Gehälter zu ermitteln. Für die obigen Qualifikationen seien folgende Ansätze genannt (Monatslohn brutto in Euro, ohne Arbeitgeberanteil):

Qualifikation Lohn pro Einheit
Chef 4.000
Assistenzen 1.800
Vertrieb 3.000
Marketing 2.500
Innendienst 2.000
Buchhaltung 2.400
Telefonakquise (Minijob) 400
SW-Entwickler 2.800
Service 2.200

Personalkosten zum Personalplan

Um die Personalkosten zu kalkulieren, müssen schließlich die Köpfe mit den Gehältern multipliziert werden. Diese Kosten können dann im Fünf-Jahresplan eingestellt werden.

Qualifikation Kopfanteile Lohn pro Einheit

Lohn pro Kopfanteil

Chef 1,0 4.000 4.000
Assistenzen 0,5 1.800 900
Vertrieb 1,0 3.000 3.000
Marketing 0,5 2.500 1.250
Innendienst 1,0 2.000 2.000
Buchhaltung 0,5 2.400 1.200
Telefonakquise (Minijob) 3,0 400 1.200
SW-Entwickler 3,0 2.800 8.400
Service 1,0 2.200 2.200
GESAMT 11,5 24.150
AG-Anteil
Sozialabgaben (23 %)
5.555
Personalkosten
incl. AG-Anteil
29.705

In den Gewinn- und Verlustplan vom Fünf-Jahres-Plan werden die Brutto-Gehälter mit 24.150 € zuzüglich 5.555 € an Sozialabgaben übernommen. Existenzgründer und wachsende KMU müssen einen Personalplan nach Monaten erstellen. Entscheidend sind die Köpfe, also die Anzahl an Mitarbeitern zu den verschiedenen Qualifikationen. Mehr Umsatz bedeutet immer mehr Arbeit, also auch mehr Mitarbeiter und damit höhere Personalkosten. Zur Ermittlung der Kopfanteile dienen die eingangs genannten Kennzahlen und Benchmarks.

“Zukunft planbar machen” – In sechs Schritten zum Fünf-Jahres-Plan

Dieser Artikel ist Teil einer Serie zur Erstellung eines Fünf-Jahres-Plans. Die Serie enthält folgende Kapitel:

Finanzplanung - Übersicht

  1. Absatzplan
  2. Personalplan
  3. Gewinn- und Verlustplan
  4. Investitionsplan und AfA-Plan
  5. Liquiditätsplan
  6. Zins- und Tilgungsplan

(Foto:  Wirtschaftsförderung Dortmund – start2grow |© Gernot Krautberger – Fotolia | © Artmann Witte – Fotolia)

Unternehmensberater Lambert Schuster aus Köln

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