Der Brexit könnte teuer werden: Das sind die möglichen Folgen

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Jetzt muss auch die britische Regierung langsam zugeben, dass vom Brexit wohl nur die restlichen EU-Länder profitieren werden. Zudem drohen neuen Zölle, wenn sich London und Brüssel nicht demnächst einigen können. Derzeit herrscht ein Verhandlungsstillstand. Kommt es zu einem „No Deal“-Brexit?

Londonbridge

Profitieren am Ende die Mitgliedstaaten der Europäischen Union?

Schon heute bemerken die Briten die negativen Auswirkungen des Brexits. Wäre Großbritannien noch ein Teil der Europäischen Union, so hätte jeder Bürger um rund 600 Pfund/Jahr (in etwa 682 Euro) mehr zur Verfügung. Garry Young, Mitarbeiter des Wirtschaftsforschungsinstitutes „NIESR“, weiß, dass die schwache Wirtschaft und der Rückgang des Lebensstandards die Folgen des Brexits sind.

Auch David Davis, ein Brexit-Minister und Befürworter des Ausstiegs, gab erst vor kurzer Zeit zu, das Ende der Mitgliedschaft würde für „Großbritannien sehr teuer“ werden. Das NIESR-Institut präsentierte jedoch auch Ergebnisse einer weiteren Studie, wobei hier die regionalen Brexit-Auswirkungen untersucht wurden: Der Süden Londons leidet – aber auch der Süden Schottlands und die Region Manchester spüren bereits die negativen Auswirkungen.

„Doch das heißt nicht, dass wir sonst keine negativen Auswirkungen erkennen“, so Swati Dhingra, eine Autorin der Studie. „Wir wissen, dass es überall negative Auswirkungen gibt.“ Doch gibt es auch positive Auswirkungen? Ja. Im öffentlichen Dienst werden wieder mehr Mitarbeiter aufgenommen. 3.000 neue Stellen sollen demnächst geschaffen werden – 300 werden von Anwälten besetzt.

Die Kosten? 660 Millionen Pfund. Bis Ende 2018 könnten insgesamt 8.000 zusätzliche Staatsdiener aufgenommen werden. Die Zoll- und Finanzbehörde könnte 5.000 neue Mitarbeiter brauchen, wenn das Handelsabkommen mit der EU scheitert.

Gelten für Großbritannien bald dieselben Zollbestimmungen wie für die USA?

Noch haben die Briten bis zum März 2019 Zeit – gibt es bis dahin keine Einigung, so wird das Königreich, zumindest aus Sicht der Europäischen Union, den Status eines Drittlandes einnehmen.

Das heißt, dass dieselben Zölle und dieselben Regeln wie für China, Äthiopien oder auch wie für die USA gelten. Noch ist jedoch unklar, welche Importregelungen von der britischen Regierung geplant werden und wie sich das Pfund gegenüber dem Euro entwickelt. „Großbritannien ist, wie auch die Europäische Union, ein Mitglied der Welthandelsorganisation WTO.

Die EU muss sich, auch nach einem sehr harten Brexit, an die Regeln halten“, so Gabriel Felbermayr, der Außenhandelsforscher des Ifo-Institutes in München.

Auch wenn die WTO nicht vorgebe, welche Verhandlungsergebnisse mit Zustimmung der Mitglieder festgelegt werden müssen, so stelle die WTO jedoch den Rahmen, in welchem sich die Importbedingungen der einzelnen Mitgliedsstaaten bewegen müssen.

Experten gehen davon aus, dass sich Großbritannien an Zölle orientieren wird, die von der EU gegenüber den Drittländern erhoben werden.

 

Staatsverschuldung steigt um 56 Milliarden Euro

Britische Pfund in Münzen

Einerseits will die britische Regierung noch mehr Geld investieren, um das Königreich fit für die Zeit nach der EU-Mitgliedschaft zu machen, andererseits wissen die Verantwortlichen auch, dass die Rahmenbedingungen immer schlechter werden.

Philip Hammond, der Schatzkanzler, teilte im Zuge einer Rede im Unterhaus mit, die neueste Steuerschätzung sei „nicht positiv“ verlaufen. In diesem Jahr fällt das Wachstum um 0,5 Prozent und betrage nur noch 1,5 Prozent. „Die Produktivität wird sich leider schlechter entwickeln und  nicht ansteigen.

Bruttosozialprodukt und Investitionen wachsen deutlich langsamer als erhofft“, so Hammond. Die Folgen für die Schuldenquote? Das Königreich muss rund 56 Milliarden Euro aufnehmen – somit erreicht die Staatsverschuldung 86 Prozent des Sozialprodukts.

Doch bis zum Jahr 2022 will man wieder deutlich unter die 80 Prozent-Marke. Doch Hammond gab sich bei seiner Rede im Unterhaus auch durchaus kämpferisch.

„Wir werden Großbritannien auf jedes Ereignis vorbereiten.Für die kommenden zwei Jahre werden 3 Milliarden Pfund zur Verfügung gestellt, um das Land auf die Zeit nach der EU-Mitgliedschaft vorzubereiten. An unserer Entschlossenheit, weiterhin kein Teil der EU mehr sein zu wollen, soll keiner zweifeln dürfen.“

Hammond, der einer der wichtigsten Protagonisten für den „weichen Brexit“ ist, will mit 3 Milliarden Pfund (3,4 Milliarden Euro), die für zusätzliche Jobs im Handelsministerium ausgegeben werden, vor allem den euroskeptischen Flügel beschwichtigen.

 

Bilder:

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