Der Fünf-Jahres-Plan in der Finanzplanung
Die Zukunft eines Unternehmens mit einer Finanzplanung darstellen? Eine Tabelle mit hypothetischen Zahlen füllen und daraus erkennen, wie sich ein Unternehmen entwickeln kann? Wie soll das gehen? Was für viele Existenzgründer ein schier unüberwindbares Hindernis ist, ist in Wahrheit ganz einfach. Mit einem Fünf-Jahres-Plan (bei kleineren Vorhaben auch mit einem Drei-Jahres-Plan) verschaffen sich Existenzgründer und kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit der Finanzplanung einen aussagekräftigen Überblick über ihre (finanzielle) Zukunft. Gut, dass es dafür zahlreiche Vorlagen gibt, die man gerade als Existenzgründer nutzen sollte, die aber auch für bereits bestehende Unternehmen von Vorteil sein können.
Schritt für Schritt zur Finanzplanung
1. Preise für die Produkte und Dienstleistungen
Ohne klare Preise geht nichts in der Finanzplanung.
Zu jedem Produkt gehört ein Verkaufspreis. Die Preisfestlegung ist immer ein sensibles Thema. Einerseits muss der Preis über den Kosten liegen, zum anderen muss er den Marktpreis treffen. Letzeres nennt man Pricing.
Im Projekt- und Dienstleistungsgeschäft hat es sich als zweckmäßig herausgestellt Musterprojekte festzulegen, also typische Projekte, die typisch eine Vielzahl von Varianten repräsentieren. Hier ist es sinnvoll, eine kleines, eine mittleres und eine großes Musterprojekt zu definieren und hierzu Kosten und Preisen zu kalkulieren.
2. Der Absatzplan
Nach der Preisfestlegung für die Produkte und Dienstleistungen ist der Absatzplan die Basis zur Finanzplanung. Er enthält die Stückzahlen, die der Unternehmer im Betrachtungszeitraum abzusetzen, also zu verkaufen plant oder die Anzahl der Musterprojekte im Falle von Dienstleistungen. Ohne solide Absätze stellen die Umsätze im Gewinn- und Verlustplan (GuV, Rentabilitätsplan) eher fiktive Zahlen dar und könnten auch der berühmten „Glaskugel“ entnommen sein.
3. Der Personalplan
Auch hier ist eine Tabelle das sinnvollste Hilfsmittel. Es gilt das benötigte Personal (Köpfe) für Entwicklung, Vertrieb, Fertigung und Produktion sowie Bürobetrieb in einer Tabelle Monat für Monat einzutragen. Die Anzahl der Köpfe multipliziert mit den Löhnen und Gehältern aufsummiert ergibt die monatlichen Personalkosten.
4. Das Herzstück der Planung: Gewinn- und Verlustplan (GuV) / Rentabilitätsplan
Zunächst werden die Einnahmen aus dem Betrieb ermittelt, also die Umsätze. Die genaue Vorgehensweise wird an späterer Stelle in dieser Artikelserie erläutert. Anschließend werden die Ausgaben definiert. Die Differenz zwischen den Einnahmen und den Ausgaben ist das Ergebnis, das auch als Gewinn bzw. Verlust bezeichnet wird. Dieses Ergebnis, der Gewinn-und Verlustplan, ist das Kernstück der Planung. Denn hier wird auf einen Blick deutlich, ob sich das Geschäft überhaupt rentiert und damit, ob man als Existenzgründer oder als KMU erfolgreich sein kann.
5. Investitionsplan und AfA-Plan
Natürlich ist es in den meisten Fällen nicht mit einer Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben getan. Vor allem dann nicht, wenn der Existenzgründer die Herstellung eines Produktes plant. So gibt es je nach Art des Betriebs ganz unterschiedliche Investitionen, etwa Maschinen oder Werkzeuge. Doch auch die IT-Ausstattung, die Büroeinrichtung oder einen Internetplattform gehören zu den Investitionen eines Unternehmens. Sämtliche dazugehörige Daten mit den entsprechenden Abschreibungen (also den Beträgen, die für die Nutzung einer Sache steuermindernd zum Tragen kommen; AfA = „Absetzung für Abnutzung“) werden im Investitionsplan und AfA-Plan festgehalten.
6. Liquiditätsplan
Mit einem Liquiditätsplan planen Existenzgründer und kleine und mittlere Unternehmen ihre Geldmittelzuflüsse und Geldmittelabflüsse und kontrollieren damit alle Kontobewegungen. Der Unternehmer stellt mit dem Liquiditätsplan seine Zahlungsfähigkeit und die Kontinuität seines Betriebes sicher. Denn nur bei ausreichender Liquidität können Verbindlichkeiten rechtzeitig erfüllt und die Geschäfte Gewinn bringend fortgeführt werden. Der Existenzgründer oder der Unternehmer muss hierfür im Bilde sein, wann die Zahlungsflüsse von Ausgangsrechnungen (Debitoren), Personalkosten, Sozialabgaben, Finanzamt usw. erfolgen werden und für ausreichend Deckung auf dem Konto sorgen. Da jedoch Ausgangsrechnungen, also Rechnungen an Kunden, unter Umständen erst mit Verzögerung bezahlt werden, halten sich die Zu- und Abflüsse fast nie die Waage. Ähnlich verhält es sich mit den Eingangsrechnungen (Kreditoren), also den Rechnungen, die der Unternehmer zu begleichen hat. Nur in wenigen Fällen wird es möglich sein, Rechnungen sofort zu bezahlen, vor allem, wenn der Unternehmer seinerseits auf Geldeingänge von seinem Kunden wartet. Um stets einen verlässlichen Überblick über seine „flüssigen Mittel“ zu behalten, ermittelt man mit dem Liquiditätsplan den Kontostand am Ende einer Periode, also am Ende des jeweiligen Monats bzw. Jahres.
7. Zins- und Tilgungsplan
Wenn der Kontostand negativ ist, die Geldmittelabflüsse also langfristig höher sind, als die Geldmittelzuflüsse, dann braucht das Unternehmen externe Finanzmittel. Geldgeber sind in der Regel Banken, etwa die Hausbank des Unternehmens. Dort werden Darlehensverträge abgeschlossen oder Kontoüberziehungen vereinbart. Der Preis dafür sind Zinsen. Zur Rückzahlung (Ablösung) von Darlehen wird eine regelmäßige Tilgung verabredet. Sämtliche Daten hierzu werden im Zins- und Tilgungsplan festgehalten.
Hilfsmittel zur Finanzplanung
Als langjähriger Berater für Existenzgründer und kleine und mittlere Unternehmen (KMU) empfehle ich stets, für die Erstellung der Finanzplanung ein erprobtes Zahlenwerk zu verwenden. Gute Vorlagen enthalten bereits verknüpfte Tabellen, in die Sie nur Ihre Daten eingeben müssen. Sie stehen kostenlos zum Download im Internet bereit:
- Besonders gefallen hat mir das Tabellenwerk der Kreisparkasse Köln.
- Existenzgründern empfehle ich zur Finanzplanung die Tabellenwerke „Fünf-Jahresplanung“ aus dem Downloadbereich von start2grow aus Dortmund oder von NUK – Neues Unternehmertum aus Köln.
- Für einfache Gründungen eignet sich das BMWi-Softwarepaket des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.
- Interessant, wenngleich einfach gehalten, sind auch die Finanzplanbausteine der KfW.
- Gute Vorlagen, die aber nicht miteinander verknüpft und daher eher für kleinere Gründungen geeignet sind, finden sich im Downloadbereich der IHK-Köln.
Zukunft planbar machen – In sechs Schritten zum Fünf-Jahres-Plan
Dieser Artikel ist Teil einer Serie zur Erstellung eines Fünf-Jahres-Plans. Die Serie enthält folgende Kapitel:
- Der Absatzplan
- Der Personalplan
- Gewinn- und Verlustplan - GuV, auch Rentabilitätsplan genannt
- Investitionsplan und AfA-Plan
- Liquiditätsplan
- Zins- und Tilgungsplan
Download Handbuch Finanzplanung
Zum Schluss nich ein Schmankerl: Sie können sich dan vollständige Handbuch zur Finanzplanung runterladen.
-> Handbuch zur Finanzplanung für KMU und Existenzgründer
(Fotos: © fuzzbones © – Fotolia.com | OnFocus – Fotolia.com | © Kreissparkasse Köln | © Tino Neitz - Fotolia.com | © WoGi – Fotolia.com | © Okea – Fotolia.com | © Pressmaster – Fotolia.com | © Gina Danders – Fotolia.com)


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